Geschichte
Von der Tradition zur Zukunft
Die Geschichte der Keramikschule Stoob
Seit Jahrhunderten ist Stoob eng mit dem Handwerk der Keramik verbunden. Die Geschichte der heutigen Keramikschule beginnt daher nicht erst mit ihrer Gründung im Jahr 1956, sondern wurzelt tief in der handwerklichen Tradition des Ortes. Bereits im 17. Jahrhundert ist das Hafnerhandwerk in Stoob nachweisbar. Keramische Gefäße, Kacheln und Ofenerzeugnisse wurden über die Region hinaus verkauft und prägten über Generationen das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Gemeinde. Der berühmte Stoober Plutzer wurde zu einem Symbol dieser Handwerkstradition und findet sich bis heute im Wappen der Marktgemeinde.

Bildquelle: Gemeinde Stoob
Erste fachliche Ausbildung – 1893
Als sich das traditionelle Hafnerhandwerk gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend mit wirtschaftlichen Veränderungen und der Konkurrenz industriell gefertigter Produkte konfrontiert sah, wurde die fachliche Ausbildung immer wichtiger. In Stoob entstand deshalb bereits 1893 eine Tongewerbefachschule. Sie sollte dazu beitragen, das handwerkliche Wissen weiterzugeben, die Qualität der Erzeugnisse zu verbessern und den Hafnerberuf zukunftsfähig zu machen.
Damit wurde schon früh ein Grundstein für jene Verbindung gelegt, die Stoob bis heute prägt: Tradition, Handwerk, Gestaltung und technische Weiterentwicklung.
Die Gründung der Keramikschule 1956
Nach den schwierigen Jahrzehnten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der endgültigen Stilllegung der Stoober Tonwarenfabrik im Jahr 1951 entstand erneut der Wunsch nach einer modernen Ausbildung für Keramik- und Ofenbauberufe.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei Josef Hausner. Der ausgebildete Keramiker und Techniker hatte umfangreiche Erfahrungen in der Keramikindustrie gesammelt und erkannte sowohl das Potenzial der Stoober Tonerde als auch den zunehmenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Seine Idee, in Stoob wieder eine Ausbildung für Keramikberufe aufzubauen, wurde 1955 politisch unterstützt.
Am 1. September 1956 begann schließlich der Unterricht in der stillgelegten Stoober Tonwarenfabrik. Die ersten Schülerinnen und Schüler wurden dort unterrichtet; erste Direktorin war Anna Jastrinsky. Damit war der Grundstein für die heutige Keramikschule gelegt.

Bildquelle: Gemeinde Stoob
Vom Provisorium zur Landesfachschule
Bereits kurz nach ihrer Gründung wurde die Schule vom Land Burgenland übernommen. Aus der zunächst als Versuchs- und Lehranstalt eingerichteten Schule entwickelte sich die Landesfachschule für Keramik und Ofenbau.
Die Schule wuchs und entwickelte sich stetig weiter. 1963 wurde ein neues Schulgebäude eröffnet, ein Jahr später folgte ein Internat. Damit erhielt die Ausbildung erstmals eine dauerhafte räumliche Basis. Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet kamen nach Stoob, um das Keramik- und Hafnerhandwerk zu erlernen.
Die Entwicklung verlief allerdings nicht immer geradlinig. Mitte der 1960er-Jahre stand die Schule zeitweise sogar vor der Gefahr, geschlossen zu werden. Doch der Standort konnte sich behaupten und erlebte insbesondere in den folgenden Jahrzehnten einen starken Aufschwung.
Die großen Jahre der Keramikschule
Eine besonders prägende Persönlichkeit war Josef Hausner, der von 1971 bis 1990 die Schule leitete. Unter seiner Führung entwickelte sich die Landesfachschule zu einem weithin bekannten Zentrum für Keramik, Ofenbau, Platten- und Fliesenlegen.
In den 1980er-Jahren erlebte die Schule einen regelrechten Boom. 1986 wurde ein Werkstätten-Zubau eröffnet, und die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler wurden bei Ausstellungen in Österreich und im europäischen Ausland präsentiert – unter anderem in London und Málaga. Die Schule entwickelte sich damit nicht nur zu einem Ausbildungsort, sondern auch zu einem Schaufenster für das keramische Handwerk.
Die Verbindung von traditionellem Handwerk und praktischer Ausbildung wurde zum Markenzeichen des Standortes. Viele Absolventinnen und Absolventen machten sich nach ihrer Ausbildung selbstständig oder fanden ihren beruflichen Weg in Keramik-, Ofenbau- und Fliesenbetrieben.
50 Jahre Keramikschule
Im Jahr 2006 feierte die Keramikschule ihr 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Landesfachschule bereits seit fünf Jahrzehnten ein österreichweit besonderer Ausbildungsstandort. Die Schule vermittelte Kenntnisse und Fertigkeiten in Keramik, Ofenbau sowie Platten- und Fliesenlegen und war damit in ihrer Kombination einzigartig.
Auch in den folgenden Jahren blieb Stoob ein wichtiger Ausbildungsort für das keramische und baunahe Handwerk. Die Schule entwickelte ihre Bildungsangebote weiter und öffnete sich zunehmend für neue technische Entwicklungen und weiterführende Ausbildungswege.

Bildquelle: Ceramico Campus
Ein neuer Weg ab 2021
Nach vielen Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit stand die Schule Anfang der 2020er-Jahre vor einer neuen Herausforderung. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in den Bereichen Keramik, Ofenbau und Fliesentechnik war groß, gleichzeitig musste der traditionelle Ausbildungsstandort grundlegend modernisiert und neu ausgerichtet werden.
Im Dezember 2021 wurde die Ceramico Burgenland GmbH gegründet. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Standortes. Ziel war es, die traditionsreiche Schule nicht nur zu erhalten, sondern zu einem modernen Kompetenzzentrum für Fliesen, Keramik und Ofenbau weiterzuentwickeln.
Mit der Neuausrichtung übernahm Anita Wolf die Leitung der Schule und der Ceramico Burgenland GmbH. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Bildung, Handwerk und Industrie wurde das Ausbildungskonzept grundlegend überarbeitet. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf eine praxisnahe Ausbildung und eine stärkere Verbindung mit der Berufswelt gelegt.
Die Keramikschule wird zum CERAMICO CAMPUS
Aus der klassischen Keramikfachschule entwickelte sich Schritt für Schritt ein umfassender Bildungs- und Kompetenzstandort. Neben der schulischen Ausbildung entstanden Angebote für Erwachsene, Fort- und Weiterbildungen, Vorbereitungskurse für Meisterprüfungen sowie Möglichkeiten für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.
Heute umfasst das Bildungsangebot unter anderem die vierjährige Fachschule für Fliese, Keramik und Ofenbau, den zweijährigen Aufbaulehrgang für Ofenbautechnik sowie das zweijährige Kolleg für Ofenbautechnik. Ergänzt wird das Angebot durch Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildungsangebote.
Gleichzeitig wurde der Standort um weitere Bereiche ergänzt. Neben Bildung und Erwachsenenbildung gehören Forschung und Entwicklung, Werkstoffprüfung, Sachverständigendienst, Produktion sowie Dienstleistungen für die Branche zum CERAMICO-Konzept. Damit werden Ausbildung, Praxis, Forschung und Wirtschaft an einem Standort miteinander verbunden.

Bildquelle: Ceramico Campus
Ein neuer Campus für eine alte Tradition
Die Neuausrichtung wurde auch baulich sichtbar. Nach dem Neubau des Internats im Jahr 2023 folgte der neue Werkstättentrakt, der 2025 fertiggestellt wurde. Das neue Internat bietet rund 100 Betten und wurde als nachhaltiger Holz-Hybridbau errichtet.
Seit September 2025 entstand schließlich der neue Schultrakt. Dabei wurde besonderer Wert auf nachhaltiges Bauen gelegt. Holz, Kreislaufwirtschaft und die Nutzung von Abwärme aus den Brenn- und Übungskachelöfen sind Bestandteile des neuen Campus-Konzepts. Insgesamt soll der Standort künftig Platz für bis zu 200 Schülerinnen und Schüler bieten.
Im Juni 2026 konnten Schülerinnen und Schüler nach einer zweijährigen Übergangsphase wieder in das nahezu fertiggestellte Schul- und Werkstättengebäude zurückkehren. Die Fertigstellung des neuen Schultraktes ist für Sommer 2026 vorgesehen.
70 Jahre Keramikschule Stoob
2026 feiert die Keramikschule Stoob ihr 70-jähriges Bestehen. Aus den bescheidenen Anfängen in der ehemaligen Tonwarenfabrik hat sich in sieben Jahrzehnten ein österreichweit einzigartiger Ausbildungsstandort entwickelt.
Am 4. Oktober 2026 soll der neu errichtete CERAMICO CAMPUS offiziell eröffnet werden. Damit beginnt zugleich ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Standortes.
Was 1956 mit dem Ziel begann, Fachkräfte für ein traditionsreiches Handwerk auszubilden, steht heute für eine moderne Verbindung aus Handwerk, Technik, Kreativität, Bildung, Forschung und Praxis.
Die Geschichte der Keramikschule Stoob zeigt damit vor allem eines: Tradition bedeutet nicht, stehen zu bleiben. Sie bedeutet, Wissen und Können weiterzugeben, sich weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Wurzeln zu bewahren.

Von der Hafnertradition über die Keramikfachschule bis zum CERAMICO CAMPUS – Stoob bleibt ein Ort, an dem aus Handwerk Zukunft entsteht.

